Geheimrezepte für
leidenschaftliches Altern

Wie der Mensch leidenschaftlich älter werden kann, erzählte Marion Roeschke in Salach. Die Autorin ist das beste Beispiel dafür. Foto: Ulrike Luthmer-Lechner
Von Ulrike Luthmer-Lechner
Älter werden bedeutet nicht, der verlorenen Jugend nachzutrauern oder gar Stillstand. Im Gegenteil. Es ist nie zu spät, Körper, Geist und Seele zu trainieren und an passenden Stellschrauben zu drehen. Das sagt die pensionierte Zahnärztin und Buchautorin Marion Roeschke.
Älter werden und ganzheitlich fit bleiben. Geht das? „Ja“, sagt Dr. Marion Roeschke, die in ihrem Buch „Natürlich jung“ Geheimrezepte für leidenschaftliches Altern vorstellt. Die 67-jährige Zahnärztin im Ruhestand und Weltmeisterin im Natural Body Building lebt es vor, was bei ihrer Lesung in Salach deutlich wurde.
„Gesundheit ist kein Zustand, sondern ein fließender Prozess“, so Marion Roeschke. Ratsam sei eine eigene Bestandsaufnahme, denn Erkrankungen sei man nicht ausgeliefert. Tipps für Ernährung, Bewegung und seelische Balance nebst der Motivation, nicht nur Nachzudenken sondern auch Umzudenken, stellt die Zahnärztin in ihrem Buch „Natürlich jung“ vor. In der Salacher Buchhandlung von Angelika Dölker lauschte das Publikum gespannt den Orientierungshilfen für ein ganzheitlich leidenschaftliches Altern.
Positive Lebensgestaltung könne trainiert werden, die Zauberformel: „Wille statt Pille“. Fast lag schon das Berufsleben mit Abdrucklöffel und Bohrer hinter ihr, als sie 2010 in Frankfurt am Main einen Iron-Man-Wettbewerb besuchte und Feuer fing. Ihr Entschluss stand fest: Ich versuche das auch.
Fortan radelte sie 24 Kilometer von Stuttgart zu ihrer eigenen Praxis in Reichenbach/Fils, kraulte und joggte. Ihr unbändiger Ehrgeiz wurde 2011 mit einem Sieg belohnt. „Danach trainierte ich 15 bis 20 Stunden pro Woche“. 2022 errang sie den Weltmeistertitel in der Bikiniklasse 60+ in Los Angeles.
Jetzt, im Ruhestand, hat die Powerfrau und Autorin Zeit für Sport, Tango tanzen, Fernsehauftritte und um als Model über Laufstege zu schreiten. Was ist denn nun das Geheimnis, im Alter fit zu bleiben? Der Körper altere deswegen, weil im Gehirn Nervenzellen und Zellfunktionen verloren gehen, der sinkende Dopaminspiegel macht sich bemerkbar. Ist dieser Schaden so groß, dass das Gehirn ihn nicht mehr kompensieren kann, spricht man von einer neurodegenerativen Erkrankung.
Bin ich ein Schussel? Wer kennt die Situation nicht, wenn man mal wieder die Lesebrille sucht, obwohl sie auf dem Kopf sitzt. Demenz und Parkinson nehmen bei Älteren stetig zu. „Täglich strömt eine Vielzahl von Reizen auf unser Gehirn ein, gönnen Sie ihrem Gehirn Auszeiten und schaffen Sie Freiräume“. Wie? „Man sollte positive Emotionen dagegensetzen“.
Roeschke plädierte für regelmäßiges Lesen in der zweiten Lebenshälfte: Das Eintauchen in die faszinierende Welt der Bücher verbessere die kognitiven Fähigkeiten, Konzentration, kritisches Denken und den Wortschatz. Bei der Ernährung gelte: pflanzliche Ernährung ist gesünder als tierische. „Je stärker ein Nahrungsmittel industriell bearbeitet wird, umso schädlicher für den Körper“. Süßigkeiten, Softdrinks und Proteinshakes seien ebenso schlecht wie Fleischalternativen.
„Der Stoffwechsel wird im Alter langsamer, besser daher nur noch kleine Portionen an Nudeln und Kuchen, stattdessen mehr Salat und Gemüse“. Weil das Auge mit isst, sollten Mahlzeiten zelebriert werden. „Ein schön gedeckter Tisch hebt Genuss und Laune“.
Bewegung ist Leben, daher bewähren sich Wandern, Radfahren und Schwimmen zur schonenden Stärkung von Herz und Kreislauf. Treppe statt Aufzug und Rückwärts gehen sind kleine Ansätze für den Alltag. „Kraft- und Ausdauertraining sind wichtig und bedeuten Sturz-Prophylaxe“.
Sex im Alter? „Die wenigsten Senioren sind im Adamskostüm ein Knaller“, aber, so die Zahnärztin, „beim Sex werden alle Sinne aktiviert und der Körper schüttet Glückshormone aus.“ Der Mensch sei ein Berührungswesen und ohne Berührung könne er nicht leben. „Wir sind auf Stimulierung von außen angewiesen.“
Abschließend legte sie den Besuchern ans Herz: „Wollen wir lange leben, sollten wir zum Buch greifen“. Buchhändlerin Angelika Dölker vernahm es mit Wohlwollen.